Von Sofia in die bulgarischen Berge

Unsere Bulgarienreise begann mit einem nächtlichen Warten auf den Nachtbus, der uns um 1:30 Uhr ganz planmäßig vom Flughafen in das Stadtzentrum von Sofia brachte. Unterhalten wurden wir dabei von angetrunkenen spanischen Erasmusstudierenden, die anscheinend in jeder europäischen Universitätsstadt ihr Unwesen treiben. Sie ließen sich auch nicht von der strengen Kontrolleurin einschüchtern, die während der Fahrt gleich zweimal überprüfte, ob wir ordnungsgemäß unsere Kreditkarte an den Abrechner gehalten hatten.


An Sofia fanden wir grundsätzlich großen Gefallen, die Stadt hat ihren eigenen Charme durch einen wilden Mix and alten alten und alten neuen Gebäuden. Viele der alten alten Bauten sind renovierungsbedürftig, aber sorgen alles in allem für ein authentisches Stadtbild. Der ÖPNV ist sehr gut ausgebaut und in der Innenstadt kommt aus jeder kleinen Nebenstraße eine Tram gequietscht, die man für 80 Cent die Fahrt nutzen kann.

Mit der ebenfalls sehr günstigen U-Bahn fuhren wir, nach einem gefrühstückten Börek mit Käse und einem Mittagessen bei einem Imbiss am Gemüsemarkt, zum Museum für sozialistische Kunst. Im Garten des Museums ist eine große Zahl Statuen versammelt, die allesamt heroische Heldentaten oder Ikonen des Sozialismus abbilden. Den Abend verbrachten wir vor dem im Stil des Brutalismus gebauten Kulturpalast, dessen großer Vorplatz sehr zum Schlendern und Skateboard fahren einlädt. Insgesamt war im anliegenden Park viel los, da dort die EU mit lokalen Künstlern und alkoholischen Köstlichkeiten aus den übrigen Mitgliedstaaten gefeiert wurde.

Am Tag nach diesem oberflächlichen Sightseeing machten wir uns mit der Tram auf zum zentralen Busbahnhof, wo wir recht früh am Morgen den Fernbus nach Bansko bestiegen. Bansko ist ein eigentlich sehr schönes Örtchen am Fuße des Pirin-Nationalparks, das mittlerweile viele junge Bulgaren fürs Homeoffice sowie (andere) Skifahrer und Wanderer anlockt. Viel vom Ort sahen wir jedoch nicht, da uns auf dem Supermarktparkplatz von einer netten Dame angeboten wurde, uns irgendwohin zu fahren. Sie hatte gehört, dass wir Deutsche waren und wollte wohl gerne etwas Deutsch sprechen, nachdem sie viele Jahre in Kaiserslautern gelebt hatte und nun zurückgezogen war. Überstürzt stopften wir unseren Proviant in die Rucksäcke und ließen uns an einen Parkplatz im Wald fahren, von wo wir uns von einem Ukrainer weiter mit in Richtung Berghütte nehmen ließen. Aufgrund des noch liegenden Schnees mussten wir zu der anvisierten Hütte noch 30 Minuten durch den Schnee stapfen, da die Straße auf dem letzten Stück nur für Spezialfahrzeuge passierbar war.

Da wir dank der netten Automenschen recht früh an der Berghütte ankamen, hatten wir am Nachmittag genug Zeit, durch den - für Mai in unüblicher Menge vorhandenen - Tiefschnee zu einem Bergsee zu stapfen. Dabei kam es häufig genug vor, dass man bis zu den Knien im Schnee versank und sich viel kaltes Weiß in die durchnässten Wanderschuhe holte. Entsprechend froh waren wir, als wir in der Hütte eine leckere Suppe sowie zwei riesige Bratwürste bestellen und unsere Sachen vor dem heimeligen Kamin trocknen konnten.

Mit noch immer angefeuchteten Schuhen machten wir uns am nächsten Morgen bei herrlichstem Sonnenschein auf zu einem weiteren zugefrorenen Bergsee und einem 2600m hohen Bergkamm. Das Wandern machte trotz des feuchten Tiefschnees viel Spaß und die Aussicht auf die verschneite Berglandschaft war herrlich. Viel Spaß machte dann der Rückweg, den wir in Teilen rutschend auf unserem Hosenboden absolvierten und so viel Wanderzeit und -energie sparten. Völlig durchnässt kamen wir zurück in unsere Hütte, wo wir den Nachmittag zwangsläufig sehr entspannt verleben mussten, da weder andere Gäste in der Hütte mit 50 Betten waren noch an eine weitere Wanderung zu denken war. Glücklicherweise kamen gegen Abend zwei Australier an und leisteten uns etwas Gesellschaft. Auch sie hatten große Freude an unserem Hüttenwirt, der kein Wort Englisch sprach und einen gut gelaunt in genuscheltem Bulgarisch anschrie.

Dank feurigem Ofen und damit verbundener Heizung waren unsere Sachen am nächsten Tag wieder einigermaßen trocken und wir konnten den Weg zurück ins Tal antreten. Wir mussten sehr lange wandern, bis uns ein skifanatischer Bulgare in seinem Auto zum Bahnhof brachte, wo wir leider gerade die Schmalspurbahn verpasst hatten und sodann eine längere Zwangspause einlegen mussten. Die unverhoffte Wartezeit konnten wir aber gut in einem Restaurant am Marktplatz von Bansko verbringen, wo wir es uns sehr günstig bei Hühnerbein und Schafskäsequark gut gingen ließen. Nun sind wir zurück am Bahnhof und freuen uns auf die mehrstündige Fahrt mit der Schmalspurbahn durch die Rhodopen, die uns anständige 4,50 Euro pro Person kostete und hoffentlich sicher nach Septemvri bringt. Am kleinen Bahnhof, an dem lediglich dreimal am Tag die Schmalspurbahn fährt, ist es jedenfalls sehr gemütlich und die für diesen Betrieb etwas übertrieben vielen Staatsbahnbediensteten schieben eine außerordentlich ruhige Kugel.

















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