Nach den vergangenen Klagen über aufdringliche Geldhascher in Luxor können wir nun positiveres von Hurghada und unserem zweiten Besuch in Kairo berichten, denn hier wurden wir nur gelegentlich über den Tisch gezogen.
Unsere vier Nächte in Hurghada verbrachten wir in einer sehr ruhig gelegenen Villa mit vier Gästezimmern, Pool und nettem Kunstrasengarten. Nach dem heißen und stressigen Luxor war es eine Wohltat, am Pool zu liegen und vor sich hinzudösen. Um nicht komplett zu versacken, buchten wir uns an drei Tagen jeweils zwei Windsurfstunden und ließen uns das Surfen mit Brett und Segel beibringen. Während wir am ersten Tag nur mit dem Erlernen (Conrad) oder Auffrischen (Sinja) von Basics beschäftigt waren, fuhren wir am dritten Tag weit in die Bucht hinaus. Glücklicherweise hatten wir Sonnencreme mit LSF 50 dabei, denn die Sonne knallte bei unseren Wasserübungen ziemlich heftig. Um zur Surfschule zu kommen, mussten wir immer eine große Hotelanlage durchqueren, die von tätowierten Deutschen, die ihre Strandliegenplätze mit Fußballschals reservierten, gut besucht war.
Hurghada als wohl größter und bekanntester Badeort Ägyptens ist an vielen Stellen ziemlich heruntergekommen und mit leerstehenden Shops und Bauruinen gespickt. Die politisch unsicheren Zeiten ab 2011 und Covid haben der Tourismus-Branche zugesetzt und viele Projekte unvollendet gelassen. In der Downtown ging es anlässlich des Zuckerfests dennoch gut ab und an einem Abend schlenderten wir mit aufgebrezelten Ägypterinnen und Ägyptern völlig unaufgebrezelt durch die Straßen. Viel mehr passierte in der Stadt am Roten Meer dann auch nicht und wir bestiegen ausgeruht den luxuriösen Bus nach Kairo, der mit breiten Sesseln und Heißgetränken von sich zu überzeugen wusste.
In Kairo verlebten wir zwei weitere eher entspannte Tage unter anderem mit einem Besuch im Ägyptischen Museum am Tahir-Platz, wo man viele Fundstücke längst vergangener Zeit inklusive gut erhaltener Mumien besichtigen konnte. Glücklicherweise war nun auch der Ramadan vorbei und wir konnten tagsüber in die wirklich zahllosen "Cafés" einkehren (oftmals Plastikstühle und -tische auf der Straße), um uns dort mit Nescafé oder Tee zu stärken. Die Preise variieren dabei erheblich, je nachdem, ob und wie sehr uns die Inhaber abziehen wollen. Raucher in Ägypten haben es - übrigens und ganz nebenbei - außerordentlich gut: Sowohl eine Shisha im Café als auch eine Packung Zigaretten bekommt man jeweils für unter einem Euro. Ansonsten nutzten wir unsere Zeit, um Postkarten auf der Dachterrasse unseres Hotels zu schreiben, Haare schneiden zu lassen und Stoff auf weitläufigen Märkten zu kaufen. Ist man nicht gerade auf dem bekannten Touri-Basar, ist das Einkaufen und Schlendern auch sehr entspannt. Man wird zwar wie die Einheimischen auch nett in die Läden gebeten, aber mehr padsiert einem nicht. Insgesamt muss man nochmals hervorheben, dass wir auf sehr viele nette Menschen treffen, die uns wohlgesonnen sind.
Unsere vergangenen zwei Nächte in Kairo waren der absolute Wahnsinn. Während wir dachten, dass es während des Ramadans schon voll auf den Straßen ist, so hatte man in den Ferien nach dem Zuckerfest das Gefühl, die zwanzig Millionen Einwohner Kairos würden sich allesamt im Stadtzentrum und in der U-Bahn versammeln. Für die Autos gab es auf einigen Straßen kaum ein Durchkommen, weil so viele Familien und Jugendgruppen unterwegs waren, um, genauso wie wir, einfach die Stadt zu erleben. Zwischen den Menschenmassen hindurch rasten laut hupend Jugendliche auf Motorrädern und man konnte nicht anders, als ziemlich überwältigt von Lärm und Licht zu sein. Jetzt gerade sitzen wir, nach einem Abendessen mit einem neuen Ami-Freund, den wir vorgestern im Restaurant kennengelernt hatten, am Busbahnhof und warten auf den verspäteten Bus, der uns in langer Fahrt in die Oase Siwa bringen soll. Vorausgesetzt, er kämpft sich irgendwann erfolgreich durch den endlosen Stau der Hauptstadt.
Beste Grüße
Conrad und Sinja








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