Unseren dritten umd vorerst letzten Tag in Kairo verbrachten wir damit, das koptische Viertel samt Museum anzuschauen und uns über die lange Geschichte christlicher Kloster in der Region zu informieren. Glücklicherweise war das Museum klimatisiert, denn während wir unsere ersten beiden Tage in Ägypten bei angenehmen 20° verbringen konnten, wurde es am Tag unserer Weiterreise nach Luxor schon ziemlich warm.
Nach der Absolvierung des Kulturprogramms wussten wir nichts so richtig mit uns anzufangen und schlenderten durch enge Gassen Richtung Nil, um uns auf einer der Nilinseln zu beschäftigen. Wir ließen uns aber von den trägen Ägyptern anstecken, die vielfach fastend im Schatten hockten und augenscheinlich keine Energie hatten, großartig etwas anderes zu tun, und trotteten träge durch die Temperaturen. Einigermaßen beschämt nippten wir an weniger beobachteten Stellen an unserem Wasser und aßen schnell zuvor gekaufte Kekse, um uns zumindest etwas aktiver zu halten. Offener konnten wir zum Glück noch Kaffee und Tee in einem Café konsumieren, das zwar komplett leer war, aber immerhin geöffnet hatte. Im Amschluss dünsten wir in der vollen Metro zurück zu unserem Hotel, wo wir freundlicherweise unser Gepäck hatten unterstellen dürfen und warteten auf den Sonnenuntergang, um uns in das Getümmel zu werfen und uns für die anstehende Fahrt nach Luxor zu stärken. Leider war das kulinarische Angebot - wie häufig in Ägypten - etwas beschränkt und wir begnügten uns mit einer Schawarma-Rolle. Immerhin gibt es beinahe in jedem Etablissement frische Fruchtsäfte, die man kostengünstig erstehen kann und das Essen aufpeppen.
Um 22 Uhr drückten wir uns dann mit unseren großen Rucksäcken durch die Massen an schick gekleideten Ägypterinnen und Ägyptern, die durch die Kairorer Innendtadt flanierten, um das mühsam ergatterte Geld zu vershoppen. Warum auch immer, bildeten sich während unseres gesamten bisherigen Besuchs lange Schlangen vor Geldautomaten und gelegentlich entbrannten hitzige Streitigkeiten zwischen den Wartenden. Der Abfahrtsort für unseren GoBus war nicht mehr als ein großer Parkplatz mit wenigen Metallbänken und wir waren sehr froh, nicht in der sängenden Sonne gebraten zu werden, sondern bei lauen Nachttemperaturen auf den Bus warten zu können. Dieser war nicht nur pünktlich, sondern, da wir 10 anstatt von 8 Euro pro Person gezahlt hatten, auch ziemlich komfortabel, was Platz und Ausstattung angeht. Besonders angenehm war die zehnstündige Fahrt nach Luxor aufgrund vieler Stopps und mauer Straßen jedoch trotzdem nicht. Die Fahrwege in Ägypten sind gepflastert mit sogenannten Speedbumps, die dafür sorgen, dass Fahrzeuge auf freier Strecke komplett abbremsen und danach wieder beschleunigen müssen.
In Luxor angekommen gelang es uns, die penetranten Taxifahrer abzuwehren und einigermaßen unbeschadet in einem unserer bisher günstigsten Hotels überhaupt anzukommen (12 Euro für ein Doppelzimmer mit Bad und Frühstück). Die Mitarbeiter des Bob Marley Peace Hotels hießen uns freundlich willkommen und ließen uns netterweise schon früh in unser Zimmer, sodass wir uns nach der Busfahrt eine dringend notwendige Erfrischung genehmigen konnten. Den weiteren ersten Tag in der ziemlich berühmten Tempelstadt am Nil verbrachten wir damit, aufdringliche Ägypter abzuwimmeln, die uns mal mehr, mal weniger freundlich weiß Gott was andrehen wollten. Frieden fanden wir in einem kleinen Imbiss mit Tischen direkt am Nil, wo wir unsere leere Mägen mit leckeren frittierten Fischen und Limonensaft füllen konnten. Bei großer Hitze schleppten wir uns durch wirklich malerische Reisfelder entlang des Nils, die vor Fischen und verschiedenen Vögeln nur so wimmelten und wo wir immerhin etwas Frieden fanden. Zurückgekehrt im Hotel trafen wir auf der Dachterrasse auf Robert, einen libanesischen US-Amerikaner, den wir gleich in unser Herz schlossen. Gemeinsam brachen wir zu einem anderen Guesthouse auf, um dort, bewirtet von einem Iren und seiner ägyptischen Frau, ein leckeres Abendessen zu verzehren und uns nett mit Robert und einem weiteren Ami zu unterhalten. Der mitternächtliche Rückweg war aufgrund aufgedrehter Jünglinge auf lauten Motorrädern etwas anstrengend und wir fielen überaus müde ins Bett.
Für den zweiten, mit 36° noch heißeren, Tag in Luxor hatten wir uns aus Praktikabilitätsgründen eine Gruppentour zu den kulturen Schätzen der unmittelbaren Umgebung Luxors gebucht. Geleitet wurde diese von einem ältlichen Herrn, der sehr unter Hitze und Fastenzeit litt und dazu keine besonders ausführlichen und interessanten Insights geben konnte; die achtköpfige Gruppe dafür aber dazu anleitete, Gräber und Tempel zügig zu besichtigen und nicht allzu lange in den Anlagen zu verbleiben. Uns sollte es recht sein, denn die wüstige Wärme machte es wirklich anstrengend, alle Kulturgüter im Detail zu bestaunen. Zudem hatten wir für die Tour 6 Euro pP bezahlt und nicht, wie ein telnehmender Australier, der offensichtlich einige Hotelmitarbeiter sehe glücklich gemacht hatte, 30. Beeindruckt waren wir allemal von der gewaltigen Größe der antiken Tempelanlagen und der - zum Teil etwas aufgefrischten - Farbenpracht der Hieroglyphen und anderer Wandmalereien. Im Amschluss an die Tour aßen wir mit einigen der anderen Teilnehmenden Mittag bei dem von uns liebgewonnenen Restaurant am Nilufer, bevor wir mit der Fähre ans andere Ufer übersetzten und den Sonnenuntergang auf der Promenade genossen.
Zwar hat uns Luxor kulturell und landschaftlich sehr gut gefallen und auch hier gibt es viele freundliche Ägypterinnen und Ägypter. Doch die vielen Händler, "Tourguides" und Taxi- bzw. Bootsfahrer, die einen dauerhaft anquatschen, trüben die Stimmung etwas. Wird man angesprochen, kann man zu 99% sicher sein, dass dies mit finanziellen Hintergedanken geschieht. Am Ende wird man dann - wie wir beobachtet haben - pampig angegangen, weil man keine zwei Euro(!) Trinkgeld dafür gibt, dass vier Handyfotos von einem gemacht wurden. Die sogenannten Security-Guards an den Anlagen versuchen alles, um sich Trinkgelder zu verdienen und man hat das Gefühl, bestimmte Bereiche seien nur abgesperrt, damit diese gegen eine Extrazahlung geöffnet werden können. Dabei sind die Eintritte in die Anlagen nicht gerade übermäßig günstig. Bisher kamen wir zum Glück darum herum, uns mit Taxi- und Bootsfahrern anlegen zu müssen. Zudem haben wir wohl großes Glück mit dem Ramadan, denn den Ägyptern fehlt oft die Energie und Unverfrorenheit, einen umfassender unter Druck zu setzen. Und so reicht es oft, die Forderung von Busmitarbeitern, für das inkludierte Gepäck noch einen Extrabetrag zu bezahlen, einfach zu ignorieren.








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