Ein smoother Start in Ägypten

 

Um unchristliche drei Uhr fünfundvierzig klingelte der Wecker und leutete mitten in der Nacht unseren ägyptischen Frühlingsurlaub ein. Da zu so später Stunde selbst auf die Öffis in Berlin Verlass ist, kamen wir überpünktlich am Flughafen an und mussten noch etwas Zeit am Gate vertrödeln. Der Flug zum Giza Airport (SPX) verlief bis auf erkältungsbedingte Schwierigkeiten bei der Landung gut und wir kamen entspannt im nördlichen Nilland an. Nachdem wir unser Visum für jeweils 25 Euro erstanden und die etwas langsame aber dafür entspannte Passkontrolle hinter uns gelassen hatten, kauften wir eine Sim-Karte und begaben uns zu dem auf uns wartenden Fahrer des Hotels. In einer klapprigen Chevrolet-Limousine, die sicher schon viele bessere Zeiten gesehen hatte, schunkelten wir auf riesigen Highways entlang sich im Bau befindlicher Betonbrücken für Hochgeschwindigkeitszüge zu unserem rustikalen Hotel in der Kairorer Innenstadt. Wir bewohnen nun die dritte Nacht ein authentisches Altbauzimmer mit fünf Meter hohen Decken und Stuck neben den Neonröhren. Eine Duschkabine in der Ecke des Zimmers gibt es praktischerweise auch. Das Hotelpersonal ist ebenfalls sehr nett zu uns und außerordentlich aufmerksam - wohl nicht zuletzt, weil wir die einzigen Gäste sind. Nur das "Frühstück" ist - dem Preis angemessen - etwas sparsam und wir substituieren die kargen Brotfladen mit gekauftem Essen.

Apropos Essen. Wie der Zufall es so will, sind wir gerade in der letzten Woche des Fastenmonats Ramadan in Ägypten angekommen, was bedeutet, dass es tagsüber kaum Möglichkeiten gibt, sich abseits sehr touristischer Orte in Restaurants oder Cafés zu stärken. Dafür ist es tagsüber wohl verhältnismäßig ruhig und selbst die Markthändler sind zu matt, uns penetrant vollzuquatschen. In der Stunde vor Sonnenuntergang rasen dann alle Ägypter möglichst schnell zu ihren Familien oder den vielen großen Tischen auf den Straßen, um sich beim Iftar (ca. 18 Uhr) die Mägen vollzuschlagen. Danach ist dann bis zwei Uhr nachts richtig Halligalli und die 20 Millionen Einwohner Kairos und Gizas schwärmen durch die Straßen, essen, trinken und shoppen für das Zuckerfest. Wir schwimmen einfach mit und versuchen möglichst viel Nahrung zu uns zu nehmen, um das beinahe erzwungene Fasten am nächsten Tag gut durchzustehen.

Unsere ersten zweieinhalb Tage haben wir damit verbracht, durch die szenischen Straßen der Altstadt zu schlendern, die uns im Vergleich zu Beirut und Adana - auch Dank herrlich entspannter Temperaturen - sehr gut gefällt. Zwar müssen wir tagsüber auf Snacks und Kaffees verzichten, treffen aber auf viele nette Leute. Zwar muss man sich vor den berüchtigten Tourifängern in Acht nehmen, aber die übrigen Ägypter sind alle sehr freundlich und hilfsbereit: In der Metro wird immer Platz für uns gemacht und man heißt uns allerorts Willkommen. Dankenswerterweise können die meisten Ägypter (mit Ägypterinnen unterhalten wir uns tatsächlich so gut wie gar nicht) auch zumindest ein paar Brocken Englisch und wir kommen auch ohne Kenntnisse der Sprache gut zurecht.

Heute haben wir die berühmten Pyramiden von Gizeh besucht und sowohl die lange Anreise als auch die Abreise vollständig mit der Metro und Minibussen absolviert. Dabei hat uns ein freundlicher ägyptischer Lehrer unterstützt, der mit seinem Sohn ebenfalls auf dem Weg zu den Pyramiden war. Das Areal rund um die großen Steingebilde ist natürlich relativ touristisch und einem wird auf dem Weg zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten oft ein Ritt auf armen Kamelen und Pferden angeboten, die die staubigen Pisten auf und ab gepeitscht werden. Glücklicherweise war es nicht so heiß und wir konnten die Pyramiden gut zu Fuß bewandern. Obwohl wir wohl eher in der Off-Season vor Ort waren und nicht lange am Ticketstand warten mussten, kamen viele Reisebusse aufs Areal und vor der Sphinx gab es einiges Gedränge.

Gerade entspannen wir uns im Hotelzimmer und lauschen dem endlosen Gehupe auf der überfüllten Straße vor unseren Balkonen, bevor wir uns gleich wieder ins Nachtleben stürzen und den Ägyptern dabei zusehen, wie sie das Fastenbrechen feiern. Morgen haben wir noch einen Tag in Kairo, bevor wir mit dem Nachtbus nach Luxor aufbrechen. Gerne wären wir Zug gefahren, doch die Tickets für Ausländer sind um ein Vielfaches teurer als der Bus und das Geld wohl nicht wert.

Bis dahin! 
Conrad und Sinja





















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