Die aus einer Diesellokomotive und vier klapprigen Waggons bestehende Schmalspurbahn kam auf die Minute genau im beschaulichen Bahnhof von Bansko an und außer uns stiegen noch etwa fünf weitere Personen in die gemütlichen Wagen, um irgendwo ins Niemansland zwischen Bansko und Septemvri gebracht zu werden. Wir hatten jedoch den Endbahnhof im Auge, um von dort weiter nach Plovdiv zu fahren. Deshalb machten wir es uns mit Keksen und Podcasts gemütlich und stellten uns auf eine lange Fahrt ein. Tatsächlich zuckelt die Schmalspurbahn sehr geruhsam durch die bulgarischen Berge und fährt an manchen Stellen kaum schneller als Schrittgeschwindigkeit, doch ist dies wohl alles eingeplant, denn wir kamen auf die Minute genau in Septemvri an. Am Ende waren wir trotz der abwechslungsreichen und stets netten Aussicht froh, den "Expresszug" genommen zu haben, der nur an jeder größeren Gießkanne hielt und zumindest 45 Minuten Fahrtzeit einsparte. Das pünktliche Ankommen ermöglichte uns, nach nur kurzer Wartezeit eine zwar wie alle Züge in Bulgarien vollgesprayte, aber moderne Bahn nach Plovdiv zu nehmen, wo wir zwei Nächte verbringen wollten.
Plovdiv ist nach einer von vielen Berechnungen und Hypothesen die älteste Stadt Europas und in der Tat sehr nett zu besuchen. Sie ist geprägt durch drei Hügel, die man allesamt besteigen kann und die einen tollen Ausblick über die sehr grüne Stadt bieten. Die Altstadt ist erkennbar aufgemöbelt und für Touristen ausgelegt, aber an Wochentagen im Mai außerordentlich leer. Entsprechend entspannt konnten wir durch die Gassen schlendern, Trepp auf, Trepp ab, Schwarztee trinken und süße bulgarische Gebäckstücke essen. Den Sonnenuntergang beschauten wir bei angenehmen Temperaturen von einem der Hügel und genossen anschließend die entspannte Stimmung in der Stadt.Nach anderthalb Tagen in Plovdiv machten wir uns sodann mit einem Mietauto auf den Weg in Richtung Schwarzes Meer, wo wir gerne das mitgebrachte Zelt nutzen wollten. Das stellte sich allerdings als gar nicht so leicht heraus, da die Zeltplätze normalerweise erst im Juni ihre Pforten öffnen. Glücklicherweise fanden wir einen Campingplatz, der dieses Jahr schon im Mai halb geöffnet hat und uns auf dem Gelände zelten ließ. Der vergleichsweise kleine Platz liegt etwas westlichen von Chernomorets direkt am Meer und hat leichte Hippie-Vibes. Die Eigentümer sind jedenfalls außerordentlich entspannt und nett, sodass wir gerne mit ihnen an der aus einem alten Kastenwagen gebauten Bar saßen.
Nachteilig im Mai ist, dass das Meer noch recht frisch ist und die Nächte im Zelt eher kühl sind. Der Vorteil ist, dass - zumindest unter der Woche - keine Menschenseele am Strand unterwegs ist. Wir konnten also bei schönstem Sonnenschein ohne Stress herumlaufen, am Strand liegen, Fisch in Chernomorets essen und den Öltankern vor Burgas beim Ankern zusehen. Auch auf dem Zeltplatz waren wir neben einem Österreicher die einzigen Gäste und hatten alle Anlagen für uns. Bei der Strandwanderung an unserem Ankunftstag trafen wir auf einen hilflosen Bulgaren, der sich beim Fischen mit seinem PKW im Sand festgefahren hatte. Wir nahmen ihn mit zum Campingplatz, wo eine Rettung durch den Jeep des Camp-Eigentümers organisiert wurde. Zum Dank erhielten wir alle Beteiligten die gefangenen Fische des Tages, die in zwei Plastikflaschen transportiert und sodann an unserem zweiten Tag im heißen Öl frittiert wurden.
Gleich wollen wir in den Süden an die türkische Grenze weiterfahren, um in den Wäldern etwas die Seele baumeln zu lassen. Aber davon im nächsten Blog.








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